Entfesselte Kommunikation – Gender zwischen Vielfalt und Diskriminierung

Mit dem Internet ist oft der Glaube an eine Demokratisierung der Kommunikation und das Ermöglichen eines Austauschs zwischen freien und gleichen Menschen verbunden. Diesem Wunsch steht die Erkenntnis gegenüber, dass sich vorhandene soziale Ungleichheiten und in der Gesellschaft vorherrschende Vorurteile auch im digitalen Raum wiederfinden. Auf der einen Seite ist das Netz ein freier Ort der Kommunikation. Auf der anderen Seite ist es nirgendwo leichter, seine Wut abzuladen und sich mit Gleichgesinnten gegenseitig anzustacheln. Menschen werden immer noch aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder Hautfarbe, sexuellen Orientierung, Klasse oder Behinderung diskriminiert.

Der medien impuls möchte den medialen Genderstereotypen auf den Grund gehen, mit denen Kinder und Jugendliche heutzutage aufwachsen. In welchem Maße beeinflussen oder bestätigen Medien Geschlechterstereotype? Wir möchten gemeinsam diskutieren, wie gendersensible Perspektiven zur Selbstverständlichkeit und zum Mainstream werden können. Was kann getan werden, damit schon im Elternhaus und in der Schule unvoreingenommene und gleichberechtigte Rollenbilder vermittelt werden?

Programm

14.00 Uhr Begrüßung   Martin Drechsler (FSM)
    Martin Drechsler ist Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM). Er absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und der FernUniversität Hagen. Nach dem Referendariat war er als Rechtsanwalt in Berlin tätig. Bei der FSM ist er seit 2008 zuständig für rechtliche und technische Fragen des Jugendmedienschutzes und u.a. verantwortlich für das Altersklassifizierungssystem, die Beratung der FSM-Mitglieder bei der Kennzeichnung von Webinhalten, die internationale Vernetzung sowie Vorträge über Jugendschutz und Medienrecht. Als stellvertretender Geschäftsführer der FSM war er ab 2013 tätig und seit September 2016 ist er Geschäftsführer. Darüber hinaus ist Martin Drechsler im Vorstand des Deutschland sicher im Netz e.V.
 
14.15 – 14.45 Uhr Debattenkultur im Netz – Harte Sprache als Ausdruck von Diskriminierung?   Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch (Sprachwissenschaftler und Professor für Englische Philologie an der FU Berlin)
 

Foto: Ben Stefanowitsch

  Dr. phil. Anatol Stefanowitsch ist Professor für Sprachwissenschaft am Institut für Englische Philologie der Freien Universität Berlin. Er studierte an der Universität Hamburg Anglistik, Linguistik und Sprachlehrforschung und wurde 2001 an der Rice University promoviert. Danach führten ihn Lehraufträge nach Dänemark, Bremen und Hamburg. In seiner Forschung beschäftigt sich Stefanowitsch mit grammatischen Konstruktionen und konzeptuellen Metaphern. Sein Schwerpunkt ist dabei die Korpuslinguistik. Er ist Betreiber des Blogs „Sprachlog online“ und Gründer der Initiative „Anglizismus des Jahres“.
 
14.45 – 15.30 Uhr Geschlecht und (digitale) Medien – Zwischen Empowerment und Angreifbarkeit   Dr. Ricarda Drüeke (Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg)
    Ricarda Drüeke, Dr. phil., ist Assistenzprofessorin am FB Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg. Ihre Forschungssschwerpunkte liegen vor allem im Bereich Online-Kommunikation, Gender Media Studies sowie Partizipation und Medien. In Forschungsprojekten beschäftigt sich u.a. mit medialen und künstlerischen Produktionen in Migrationsdiskursen, Hate Speech im Internet sowie sexistischen und rassistischen Diskursen in und durch Medien.
 
15.30 – 16.00 Uhr Pause    
16.00 – 17.00 Uhr Diskussion: Toleranz, Sprachhygiene, Aufklärung    
      Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch
 
      Dr. Elisabeth Tuider (Leitung des Fachgebiets Soziologie der Diversität der Universität Kassel)
      Dr. Elisabeth Tuider ist Professorin für Soziologie der Diversität unter besonderer Berücksichtung der Dimension Gender an der Universität Kassel. Sie studierte Pädagogik und Psychologie an der Universität Wien. Bekannt ist Tuider insbesondere für ihre Beiträge zur Biografieforschung, Genderforschung, zu den Queer Studies und den Postcolonial Studies. 2008 veröffentlichte Elisabeth Tuider zusammen mit Stefan Timmermanns das Buch Sexualpädagogik der Vielfalt. Es wurde von zahlreichen Institutionen als Unterrichtsmaterial verwendet und empfohlen, seit 2014 aber auch in einer Reihe von Presseartikeln kritisiert und in der Folge von der Literaturliste verschiedener Institutionen genommen. Tuider als Mitautorin wurde in diesem Zusammenhang zum Ziel von Hasskommentaren in den Sozialen Medien.
 
      Anne Wizorek (Digital Media Consultant, Autorin, Aktivistin)
 

Foto: Anne Koch

  Anne Wizorek ist selbstständige Beraterin für digitale Medien, Autorin und feministische Aktivistin. Sie lebt im Internet, in Berlin und ist Gründerin des Grimme Online Award nominierten Gemeinschaftsblogs kleinerdrei.org. Der von ihr initiierte Hashtag #aufschrei stieß im Jahr 2013 eine Debatte zu Alltagssexismus an und wurde dafür als erster Hashtag mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. In ihrem Buch „Weil ein #aufschrei nicht reicht – Für einen Feminismus von heute“ (Fischer Verlag) entwirft sie eine moderne feministische Agenda. Unter dem Schlagwort #ausnahmslos veröffentlichte sie im Januar 2016 mit 21 anderen Aktivistinnen ein Statement gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Die Aktion wurde mit dem Clara-Zetkin-Preis für politische Intervention ausgezeichnet. Als Mitglied der Sachverständigenkommission arbeitete Anne Wizorek am 2. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung mit.
 

anschließend Empfang

Tagungsmoderation: Christine Watty

Tagungsort: Bertelsmann Repräsentanz Berlin, Unter den Linden 1, Berlin

 

Bitte melden Sie sich bis zum 9. Mai unter lange@fsm.de an.