Jugendschutzprogramme

Stand: 
Juli 2019
I. Worum geht es?

Über richtige und falsche Wege in der Medienerziehung wurde schon immer leidenschaftlich gestritten, und zwar nicht erst seit es Computer und das Internet gibt. Dass Kinder und Jugendliche durch eine gemeinsame Mediennutzung mit Eltern und anderen Erziehenden am besten auf einen aufgeklärten und selbstbestimmten Umgang mit Medien vorbereitet werden, gilt jedoch seit Generationen als Konsens. Viele Eltern lassen ihr Kind allerdings recht bald zumindest zeitweise allein und unbeaufsichtigt im Internet surfen. Gemeinsam wird dann oft festgelegt, was das Kind im Internet tun und welche Websites es besuchen darf. Um diese Absprachen abzusichern und zusätzlich zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche mit Absicht oder zufällig mit für sie ungeeigneten Inhalten konfrontiert werden, können Eltern ein Jugendschutzprogramm installieren.

II. Was bedeutet das für die Praxis?

Was ist ein Jugendschutzprogramm?

Jugendschutzprogramme sind Hilfsmittel, die es Eltern lokal, also auf einem bestimmten PC oder innerhalb des Heimnetzwerkes, ermöglichen zu steuern, welche Internetinhalte ihre Kin-der sehen dürfen. Es handelt sich um sogenannte nutzerautonome Filterprogramme, die zwar in der Regel mit umfangreichen Voreinstellungen zur Verfügung stehen, jedoch individuell für den jeweiligen Einsatz angepasst werden können. Eltern ist es auf diese Weise z.B. möglich, ihren Kindern lediglich von Experten geprüfte, kindgeeignete Seiten zur Verfügung zu stellen. Oft gibt es eine Funktion, mit der das Kind sich eine bestimmte Seite, die zunächst gesperrt ist, von seinen Eltern wünschen kann: Diese Seite können die Eltern dann individuell frei-schalten. Dies spielt beispielsweise für Nachrichtenportale, die Wikipedia oder soziale Netz-werke eine Rolle, die von manchen Jugendschutzprogrammen nicht für Kinder freigegeben werden. Daneben gibt es auch noch Jugendschutzprogramme für sogenannte geschlossene Systeme. Ein System ist beispielsweise dann als geschlossen anzusehen, wenn alle Inhalte innerhalb des Systems an herstellereigene Standards gebunden sind und das System in der Regel nicht ohne weiteres verlassen werden kann. Wenn im Folgenden von Jugendschutzprogramm die Re-de ist, sind damit zumeist nicht geschlossene gemeint, sondern nur solche, die auch mit nicht anbietereigenen Inhalten, die im Internet für jedermann zugänglich sind, umgehen können.

Jugendschutzprogramme und Jugendschutzfilter – was ist der Unterschied?

In vielen Haushalten sind auf den PCs Virenschutzprogramme installiert. Oft haben sich die Eltern dabei für Programmpakete entschieden, die zum Beispiel „Security Suite“ heißen. In diesen Paketen ist neben Virenschutz und anderen Sicherheitsprogrammen häufig zusätzlich ein Jugendschutzfilter enthalten. Auch viele Versionen von Windows und MacOS werden mit einer Jugendschutzfunktion ausgeliefert. Dazu gibt es eine Fülle von kostenfreien und kostenpflichtigen Programmen, die den Jugendschutz beim Surfen im Internet verbessern können, die Nutzung bestimmter Anwendungen verhindern oder ein Zeitkontingent vorgeben. Viele dieser Programme und Pakete funktionieren recht gut, oft handelt es sich jedoch um international angebotene Software, die häufig nur wenig auf die Bedürfnisse in Deutschland bzw. die hiesigen Jugendschutzgesetze und unsere Vorstellungen von unzulässigen Inhalten abgestimmt ist. Von Jugendschutzfiltern oder -software im Allgemeinen unterscheiden sich Jugendschutzprogramme, die in § 11 des Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) vorgesehen sind und die einer Anerkennung durch eine anerkannte Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle bedürfen. Die gesetzlichen Anforderungen an Jugendschutzprogramme sind vage, auch die Konkretisierung in den Jugendschutz-Richtlinien der Landesmedienanstalten hilft nicht wirklich weiter. Deshalb hat die KJM Kriterien für die Anerkennung von Jugendschutzprogrammen veröffentlicht. Auf deren Grundlage ist es Herstellern von Filterprogrammen möglich, die Entwicklung ihrer Produkte an den Erwartungen der Aufsichtsbehörde auszurichten.

Wie arbeiten Jugendschutzprogramme?

Ein Jugendschutzprogramm besteht grundsätzlich aus mehreren Komponenten:

  • Blacklist (Liste generell unzulässiger Websites, z.B. BPjM-Modul
  • Whitelist (Liste generell unproblematischer bzw. kindgeeigneter Websites, z.B. frag-FINN)
  • Liste altersdifferenzierter Inhalte (zulässig je nach Einstellung der Altersstufe in der Software)
  • Fähigkeit, technische Alterskennzeichen auszulesen, die dem gemeinsamen Standard „age-de.xml“ entsprechen

Hinzu kommt in der Regel die Möglichkeit für Eltern, Websites individuell freizugeben oder zu sperren.

Wie gut funktionieren Jugendschutzfilter?

Die KJM fordert, dass Websites, die für alle Kinder und Jugendlichen ungeeignet sind, mit einer Genauigkeit von 80 Prozent richtig bewertet werden müssen. Dieser Wert wird nach den Erfahrungen der FSM noch deutlich übertroffen, wenn das Programm für die Nutzung durch Kinder (unter 12 Jahren) eingerichtet worden ist. Generell sind die Programme bei der Bewertung von Erotikinhalten teils deutlich besser als bei anderen jugendschutzrelevanten Themen.

Welche Jugendschutzprogramme sind anerkannt?

Die Software „JusProg“ war das einzige anerkannte Jugendschutzprogramm nach § 11 Abs. 1 JMStV. Aufgrund eines Rechtsstreits mit den Landesmedienanstalten und der damit verbundenen Unwirksamkeitserklärung der Anerkennung gibt es derzeit kein anerkanntes Jugendschutzprogramm nach § 11 Abs. 1 JMStV. Weitere Informationen: https://www.fsm.de/de/jusprog-verfahren

Im Bereich der geschlossenen Systeme nach § 11 Abs. 2 JMStV gibt es derzeit zwei anerkannte Jugendschutzprogramme. Dabei handelt es sich um Jugendschutzfunktionen von Nintendo und Netflix.