Mediales Erzählen und die Wahrheit

„Mein Haus, mein Boot, meine Wahrheit...“ so oder so ähnlich könnte ein Werbeslogan aus alten Tagen heute lauten.

In der Fülle medialer Angebote sind gut erzählte Geschichten ein Garant, die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu erreichen. Einfach, schlüssig und anschlussfähig müssen die Plots sein. Leichte Konsumierbarkeit und Glaubwürdigkeit sind erfolgversprechender, als komplexe, bis ins letzte Detail recherchierte Erkenntnisse. Generell ist dieses Herangehen berechtigt. Denn mediale Informationsvermittlung und Unterhaltung ist immer auch der Versuch, gesellschaftliche Komplexität zu reduzieren, dadurch Orientierung zu bieten und die individuelle Zufriedenheit zu erhöhen. Dabei müssen Erzählungen über Realitäten zwangsläufig vereinfacht werden.

Neue mediale Formen wie Dokutainment- und Infotainmentformate verknüpfen gekonnt Realitätsbezüge mit fiktionalen Erzählstilen, sodass es zunehmend schwieriger wird, das eine vom anderen klar zu unterscheiden. Auch Clickbaits können nur funktionieren, Fake News und Verschwörungserzählungen nur deshalb so starke Verbreitung finden, weil sich Menschen dem zuwenden, was sie für glaubwürdig halten und was ihre Sicht auf die Welt unterstützt.

Wo liegt die Grenze zwischen Vereinfachung und unzulässiger Verwässerung der Wahrheit? Wann geht Vertrauen in Erzähltes verloren, und was passiert, wenn nicht mehr zählt, was wahr und valide ist? Und wie groß ist die Gefahr für die Demokratie, wenn eine Gesellschaft sich nicht mehr auf eine gemeinsame Wahrheit einigen kann? 

medien impuls widmet sich der Frage, welche soziale Funktion Wahrheit gegenwärtig zukommt, welche Rolle die Medien spielen und spielen sollten, um Wahrheiten zu vermitteln und welche Kompetenzen heute benötigt werden, um Informationen und mediale Erzählungen wahrzunehmen und einzuordnen.

Die Veranstaltung wird aus der Bertelsmann Repräsentanz in Berlin übertragen. Der Sender ALEX Berlin überträgt den medien impuls live ab 14 Uhr in seinem TV-Stream.

Programm

14:00 Uhr
Begrüßung durch Claudia Mikat (fsf) und Martin Drechsler (FSM)

14:20 Uhr
Vera Linß im Gespräch mit dem Würzburger Medienpsychologen Prof. Dr. Markus Appel, dem Filmkritiker, Filmemacher und Filmwissenschaftler David Assmann und dem Siegener Bildungsphilosophen Prof. Dr. Jürgen Nielsen-Sikora.

17:00 Uhr
Ende der Veranstaltung

Moderation: Vera Linß
Medienjournalistin beim Deutschlandradio und beim ARD-Hörfunk. Sie schreibt für die Fachpresse und moderiert seit 2007 die Sendung Breitband – Medien und digitale Kultur im Deutschlandfunk Kultur, die sie auch redaktionell mitverantwortet. Außerdem moderiert sie Veranstaltungen und rezensiert regelmäßig Mediensachbücher im Deutschlandradio Kultur.

Die Veranstaltungsreihe medien impuls findet in Kooperation mit der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen statt.

HINWEIS:

Eine Anmeldung zur Tagung ist bis zum 12. November 2021 per E-Mail möglich.
Die Anzahl Teilnehmenden ist begrenzt auf 50 Personen.
Es gelten die 2G-Regeln, die Sie an der Anmeldung nachweisen.

Die Sendung wird außerdem live bei ALEX Berlin übertragen