Mythen, Visionen und Dystopien – wie digitale Ängste unsere Gesellschaft beeinflussen

Wovor haben Menschen Angst? Es gibt Angst vor Veränderung, dem Fremden, Unsicherheit und die Angst vor Nähe. Dabei muss das Gefühl der Angst nicht durchweg negativ konnotiert sein. Evolutionsgeschichtlich hat sie die wichtige Funktion als Schutz- und Überlebensmechanismus die Sinne zu schärfen und Kräfte zu aktivieren. Sie dient also der Sicherheit der Menschen, kann aber auch neue und wichtige Erfahrungen verhindern. Schnelle Veränderungen, Unsicherheiten, Verlust des Privaten: all das kann auf die Digitalisierung zutreffen. Technologie ist innerhalb sehr kurzer Zeit allgegenwärtig geworden. Es ist kaum noch möglich die immer komplexeren Funktionen und Zusammenhänge vollständig zu verstehen. Gleichzeitig sind Fälle von Cyberkriminalität medial sehr präsent. Es wundert daher kaum, dass es viele Menschen gibt, die mancher digitalen Entwicklung skeptisch gegenüberstehen. Sie fürchten sich davor die Kontrolle über ihr digitales Leben, ihre Selbstbestimmung und über ihre Daten zu verlieren. Auch in der Fiktion scheinen digitale Dystopien die Narrative zu bestimmen. Von Terminator bis Black Mirror wird oft ein sehr schwarzes Bild gezeichnet, wenn es um den zukünftigen Einfluss von Technik und künstlichen Intelligenzen auf Mensch und Gesellschaft geht. Dabei hat die Digitalisierung unser Leben einfacher, schneller, günstiger und natürlich auch unterhaltsamer gemacht. Auf den Zugriff auf weltweite Informationen und auf ein unerschöpfliches Kontingent an Musik, Filmen, Serien und Büchern sowie die einfachen und kostengünstigen Kommunikationswege möchte wohl kaum jemand verzichten.

Darum gibt es auch eine große Diskrepanz zwischen den öffentlichen Diskussionen und der tatsächlichen Nutzung. Den Deutschen wird oft Technikpessimismus und Bedenkenträgerei unterstellt, Stichwort „German Angst“, aber die Realität sieht anders aus. Digitale Sprachassistenten, Wearables und Smart Toys finden sich in vielen Haushalten. Von Smartphones und Tablets ganz zu schweigen. Neue Technik wird also genutzt. Werden Ängste einfach ausgeblendet? Viele Menschen versuchen ihre Unsicherheit und ihr Unwissen durch eigene Erklärungen auszugleichen. Mediale Berichterstattungen, Science-Fiction, eigene Erfahrungen und Mundpropaganda vermischen sich so, dass es vielen schwerfällt berechtigte Sorgen noch von Mythen zu unterscheiden. Dadurch lassen wir uns von unnötigen Ängsten in die Irre führen, aber verlieren auch den Blick für eigene sinnvolle Schutzmöglichkeiten. Wie schaffen wir es also die Hysterie von der sinnvollen Kritik zu trennen und die berechtigten Ängste sinnvoll zu adressieren? Um diese gesellschaftliche Herausforderung soll es bei diesem medien impuls gehen.

Programm 5. Dezember 2019

13.30 Uhr Anmeldung  
14.00 Uhr Begrüßung  
 

Martin Drechsler (FSM)

Martin Drechsler ist Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM). Er absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und der FernUniversität Hagen. Nach dem Referendariat war er als Rechtsanwalt in Berlin tätig. Bei der FSM ist er seit 2008 zuständig für rechtliche und technische Fragen des Jugendmedienschutzes und u.a. verantwortlich für das Altersklassifizierungssystem, die Beratung der FSM-Mitglieder bei der Kennzeichnung von Webinhalten, die internationale Vernetzung sowie Vorträge über Jugendschutz und Medienrecht.

14.15 – 14.45 Uhr Keynote: Cancel the Apocalypse  
 

Julia Kloiber (Managing Director Superrr Lab, Partner Ashoka Germany)

Als Gründerin arbeitet Julia Kloiber an der Schnittstelle zwischen Technologie und Gesellschaft. Sie ist Managing Director der Organisation Superrr Lab und Partner bei Ashoka Deutschland. In ihren Projekten beschäftigt sie sich damit, wie man Technologie für das Gemeinwohl einsetzen kann. Ein weitere Bereich der sie umtreibt sind neue Narrative im Bereich der Digitalisierung – sie ist eine Optimistin, die immer auf der Suche nach neuen Ansätzen und Ideen ist.

14.45 – 15.45 Uhr

Einfluss von Digitalisierung auf Mensch und Gesellschaft:
Zwischen Technologiebegeisterung und (irrationalen) Ängsten

Julia Eikmann im Gespräch mit:

 

Priv. Doz. Dr. med. Mazda Adli (Psychiater und Stressforscher)

Mazda Adli ist Leiter des Forschungsbereichs Affektive Störungen an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, und Ärztlicher Leiter der Fliedner Klinik Berlin für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin. Er widmet seine Forschung und sein persönliches Engagement den Strategien zur Behandlung therapieresistenter Depression und bipolarer Störung. Des Weiteren untersucht er modulierende Faktoren für Stressvulnerabilität, mit dem Ziel, effektive Präventionsstrategien für stressbezogene Krankheiten zu entwickeln.

 

Prof. Dr. Johannes Weyer (Fachgebietsinhaber Techniksoziologie TU Dortmund)

Johannes Weyer ist seit 2002 Professor für Techniksoziologie an der TU Dortmund. Er befasst sich mit der Steuerung komplexer sozio-technischer Systeme, der Mensch-Maschine-Interaktion in hochautomatisierten Verkehrssystemen sowie der Netzwerkanalyse. Zur Erforschung dieser Themen setzt er verstärkt die Methode der agentenbasierten Modellierung und Simulation (ABMS) ein.

15.45 – 16.15 Uhr Pause  
16.15 – 17.15 Uhr

Diskussion: Digitale Ängste als Herausforderung für die Gesellschaft

 

Susanne Dehmel (Mitglied der Geschäftsleitung Bitkom e.V.)

Susanne Dehmel ist seit Oktober 2014 Mitglied der Geschäftsleitung und verantwortet dort den Geschäftsbereich Recht und Sicherheit. Bereits seit 2010 leitet sie den Bereich Datenschutz. Susanne Dehmel ist Rechtsanwältin und absolvierte ihr Studium in Passau, Freiburg und Cardiff. Wichtiger Teil ihrer Arbeit ist die Förderung von Vertrauen und Sicherheit in der digitalen Welt und insbesondere die praxisgerechte Weiterentwicklung des Datenschutzes in der Informationsgesellschaft.

 

Prof. Dr. Markus Dürmuth (Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik Ruhr-Universität Bochum)

Prof. Dr. Markus Dürmuth is an assistant professor and head of the mobile security group at Ruhr University Bochum. Before, he was a Post-doctoral Researcher at Ruhr University Bochum and a Post-doctoral Scholar at the Theory Group at the Department of Computer Science of Stanford University. He received his PhD from the Saarland University, Germany, where he was in the Information Security and Cryptography Group at the Computer Science Department. Dürmuth studied Math and Computer Science at the University of Karlsruhe, Germany.

 

Sven Kohlmeier (SPD-Fraktion, Abgeordnetenhaus Berlin)

Sven Kohlmeier wurde 1976 geboren und ist als Abgeordneter aus Berlin-Kaulsdorf/Hellersdorf seit 2006 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. Er ist Sprecher der SPD-Fraktion für Rechtspolitik, Datenschutz und Netzpolitik. Sven Kohlmeier ist darüber hinaus Mitglied in den Ausschüssen für Kommunikationstechnologie und Datenschutz, Recht, sowie Inneres, Sicherheit und Ordnung. Er war u.a. federführend an der Erarbeitung des Berliner e-Government-Gesetzes wie auch des Berliner Datenschutzgesetzes beteiligt. Neben seiner Tätigkeit als Abgeordneter leitet Kohlmeier seine eigene Rechtsanwaltskanzlei. Er ist Fachanwalt für IT-Recht und schwerpunktmäßig im IT- und Vereinsrecht tätig.

 

Dr. Antonia Köster (Forschungsgruppenleiterin Weizenbaum-Institut)

Antonia Köster ist Habilitandin am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Potsdam und Leiterin der Forschungsgruppe "Digitale Integration" am Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft in Berlin. Sie promovierte an der LMU München und war als Gastwissenschaftlerin an der UC Berkeley (USA) und an der Hong Kong Baptist University (Hongkong) tätig. Ihre Forschungsinteressen umfassen die Nutzung von Social Media und Online-Kommunikationstools sowie deren Auswirkungen für Individuen, Unternehmen und die Gesellschaft. Ein aktuelles Forschungsprojekt untersucht die Smartphone-Nutzung von Eltern und ihren Kindern.

 

Lennart Sörnsen (Pressereferent JUUUPORT.de)

Lennart Sörnsen ist Pressereferent und Redakteur bei JUUUPORT und freier Medienpädagoge besonders im Raum Hannover. Er studierte Medienwissenschaft in Braunschweig und London.

anschließend Empfang

Tagungsmoderation: Julia Eikmann

Freie Hörfunkjournalistin, Moderatorin, Redakteurin, Autorin und Dozentin u.a. für Deutschlandradio, WDR, BR, Audible, Spiegel Online, Blätter, Wikimedia

Tagungsort: Bertelsmann Repräsentanz Berlin, Unter den Linden 1, Berlin

 

Veranstaltungsfotos: Janine Schmitz/photothek.de