Pro Ana und Pro Mia: Verherrlichung von Essstörungen im Internet

Stand: 
September 2012
I. Worum geht es?

Pro Ana und Pro Mia bezeichnen Bewegungen von Esskranken im Internet. Unter Pro Ana versteht man die positive Einstellung gegenüber Magersucht (Anorexia nervosa). Bei Pro Mia handelt es sich um die Bezeichnung für eine positive Einstellung gegenüber der Bulimie (Bulimia nervosa). Die FSM Beschwerdestelle subsumiert derartige Inhalte zumeist unter § 4 Abs. 2 Nr. 3 JMStV und stuft diese Angebote daher als offensichtlich schwer entwicklungsgefährdend ein.

Begründet wird dies damit, dass auf den Pro Ana / Pro Mia Seiten schwere Krankheiten als erstrebenswerte Lifestyles dargestellt werden. Dabei handelt es sich in der Realität um schwere psychische Erkrankungen mit gravierenden psychischen und physischen Begleiterscheinungen.

Da die Krankheiten vor allem bei jüngeren Menschen im Alter von 15-30 Jahren auftreten und Kinder und Jugendliche in ihrer Meinung und Entwicklung meist noch nicht ausreichend gefestigt sind, können diese Angebote dazu führen, dass die Inhalte als “normal” und erstrebenswert wahrgenommen werden.

Auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) hat im Jahr 2008 eine Pro Ana Seite indiziert und beurteilt derartige Angebote ähnlich.

Die Magersucht zählt bei Mädchen und jungen Frauen zu den häufigsten Todesursachen.

II. Was bedeutet das für die Praxis?

In der Praxis bedeutet dies, dass Anbieter eventuell zwischen problematischen Inhalten und hilfreichen Angeboten unterscheiden müssen.

Welche Pro Ana und Mia Inhalte sind problematisch?

Problematisch sind in der Regel Angebote (Blogs, Foren und Gästebücher), die die folgenden Kategorien beinhalten:

  • sog. Thinspiration- Bilder: Teilweise bearbeitete Bilder von sehr dünnen Frauen, die der Motivation dienen sollen,
  • Es werden "aussagekräftige" Vorstellungsrunden verlangt und die Erfüllung von Aufnahmekriterien zur Teilnahme am Forum vorausgesetzt (Beispiele: Angabe des Gewichts, des BMI, des Zielgewichts),
  • Anas Briefe und Gesetze: Leitlinien, nach denen das Leben gestaltet werden sollte,
  • Tipps & Tricks: Hier werden oft Hinweise dazu gegeben, wie man die Essstörung vor Menschen aus dem direkten Umfeld geheim halten kann und welche Lebensmittel sich leichter erbrechen lassen als andere,
  • Abnehmtagebuch: Hier wird in der Regel niedergeschrieben, wie viele Kalorien oder welche Lebensmittel am Tag gegessen wurden. Auch wird hier oft ein sehr niedriges Zielgewicht als „Endziel“ anvisiert.

Wo liegt der Unterschied zwischen einer jugendgefährdenden Pro Ana Seite und einem nützlichen Hilfsangebot?

Ein nützliches Hilfsangebot beinhaltet im Vergleich zu den o.g. Inhalten vielmehr folgende Inhalte/Darstellungen:

  • Essstörungen werden als psychische, lebensbedrohliche Erkrankungen anerkannt, die heilbar sind und einer therapeutischen Behandlung bedürfen.
  • Internetseiten integrieren Hinweise auf therapeutische Angebote
  • Foren bestimmen ausdrücklich, dass Hinweise auf den destruktiven Umgang mit der Erkrankung weder gewünscht noch geduldet werden, solche Beiträge gelöscht und entsprechende Autoren vom Forum ausgeschlossen werden

Wo gibt es weitere Informationen oder Hilfe zu dem Thema?

Im Internet existiert eine Reihe von nützlichen Informationsangeboten zum Thema Essstörungen. Dazu zählen auch verschiedene Online-Beratungen für an Essstörungen Erkrankte aus der Gesundheitsberatung, wie z.B. www.essfrust.de, www.magersucht-online.de oder www.anad.de. Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finden sich unter www.bzga-essstoerungen.de.
Eine umfassende Broschüre zum Thema finden Sie hier.

Weiterführende Informationen: 

§ 4 Abs. 2 JMStV

(2)Unbeschadet strafrechtlicher Verantwortlichkeit sind Angebote ferner unzulässig, wenn sie

  1. in sonstiger Weise pornografisch sind,
  2. in den Teilen A und C der Liste nach § 18 des Jugendschutzgesetzes aufgenommen sind oder mit einem in diese Liste aufgenommenen Werk ganz oder im Wesentlichen inhaltsgleich sind, oder
  3. offensichtlich geeignet sind, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit unter Berücksichtigung der besonderen Wirkungsform des Verbreitungsmediums schwer zu gefährden.

In Telemedien sind Angebote abweichend von Satz 1 zulässig, wenn von Seiten des Anbieters sichergestellt ist, dass sie nur Erwachsenen zugänglich gemacht werden (geschlossene Benutzergruppe).