medien impuls "Von der Realität überholt - Jugendschutz und Medienbildung abgehängt?

Neue Leuchttürme in der digitalen Flut medien impuls zum Nachholbedarf für Jugendschutz und Medienbildung

Heimlich streamen Minderjährige aus dem Unterricht live ins Netz – ein Beispiel dafür, dass Schüler oft be­deutend mehr Ahnung vom Umgang mit neuer Medientechnik haben als ihre Lehrer. Deren Fortbildung kann mit der immer schnelleren Entwicklung kaum Schritt halten. Jugendschutz und Medienbildung sehen sich zu­nehmend „von der Realität überholt“, wie die Berliner Fachtagung medien impuls von FSM und FSF als Aus­gangslage konstatierte. Doch einige Stunden lebhafter Fachdiskussion, moderiert von Miriam Janke, verwan­delten drohende Resignation in positive Aufbruchsstimmung. „Der Schritt nach vorne ist gelungen“, zog FSM-Geschäftsführer Otto Vollmers als Fazit: Statt immer wieder nur die Entwicklung von „Medienkompetenz“ und Verbote zu fordern, müsse das System Jugendschutz beschleunigt werden, um schnell zu Ergebnissen zu kommen.

FSF-Geschäftsführer Professor Joachim von Gottberg warnte vor dem weit verbreiteten Irrtum, „Medienbil­dung als eine Art Impfung“ misszuverstehen, die junge Menschen dauerhaft stark genug und immun gegen Schädigungen aller Art mache. Sie sollten vielmehr „die Medien nicht als Bedrohung, als Spiel mit dem Feuer sehen, sondern als Teil ihrer Lebenswirklichkeit“, sagte Sebastian Gutknecht, Geschäftsführer der Arbeitsge­meinschaft Kinder-und Jugendschutz in Nordrhein-Westfalen. Andreas Büsch, Professor für Medienpädago­gik und Kommunikationswissenschaft der Katholischen Hochschule Mainz, betrachtet es als „Querschnittsauf­gabe aller Bildungsbereiche Kinder und Jugendliche stark zu machen, um sich nicht auszuliefern.“

„Man kann Jugendliche im klassischen Sinn nicht mehr vor bestimmten Inhalten schützen“, erkennt Claudia Mikat, Leiterin der FSF-Programmprüfung und hauptamtliche Vorsitzende in den Prüfausschüssen. Man könne und müsse sie jedoch befähigen, „selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen“. Weniger Theorie und mehr Mut, einfach aktiv etwas zu tun, fordert die Redakteurin der Non-Profit-Online-Initiative MESH Collective Franziska von Kempis. Sie vermisst vor allem „eine Toolbox“, um die in Online-Medien zunehmend verschwim­menden Grenzen zwischen Meinung und Tatsachen klar zu definieren. Hingegen hat sich als Mittel der Medi­enpädagogik in den Augen des Grimme-Instituts-Projektleiters Lars Gräßer die Ausschreibung von Wettbe­werben „überlebt“. Für ihn ist „YouTube die moderne Volkshochschule. Da findet peer education statt, da bringen sich Jugendliche tatsächlich gegenseitig etwas bei“.

Der 18-jährige aktive YouTuber Fabian Nolte („Dailyknoedel“) bestätigt, dass Alles, was spontan und unge­plant aussieht, oft funktioniert. Ihn stören aber Online-Verkaufsveranstaltungen, Fankult und Sexismus, der sich vor allem gegen Frauen richtet. Wolfgang Macht, Mitbegründer und Vorstand der inzwischen internatio­nalen Netzpiloten AG, beobachtet „ein aggressives Wachstum neuer Internet-Geschäftsmodelle“ vor allem im amerikanischen Silicon Valley, „bis sie jemand bremst“. Keiner gehe dort von sich aus zu einer Regelungs-Institution wie der FSM, um die Grenzen des Zulässigen auszuloten und sich in seinem Expansionsdrang bremsen zu lassen. Zurzeit fühlt Macht sich selbst und den überwiegenden Teil der Gesellschaft in einem „sehr gestressten Stadium“; die „absolute Fülle“ von Diensten, deren Zahl rasant wachse. Vollmers kritisierte hier die weit verbreitete Neigung, alles Neue zuerst einmal grundsätzlich abzulehnen und regt an Abneigungen schneller zu überwinden, um mit den Dingen umgehen zu können: „Das dauert oft so lange, dass es dann zu spät für sinnvolle Regelungen ist.“ Als Orientierung für die Zukunft in der digitalen Flut setzte dieser medien impuls neue Leuchttürme. Dokumentationen zur Veranstaltung mit Fotos, Videos und eine Zusammenfassung der Podiumsdiskussion finden Sie unter www.fsm.de/de/medien-impulsund www.fsf.de.

Über die FSF

Die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen e.V. (FSF) ist die anerkannte Selbstkontrolleinrichtung der privatenFernsehanbieter. Kern ihrer Arbeit ist die Prüfung von Sendungen unter Jugendschutzgesichtspunkten vor derAusstrahlung. Darüber hinaus fördert sie den wissenschaftlichen Diskurs über Medienwirkungen und erstelltneben inhaltlichen Fachpublikationen zahlreiche Materialien für die schulische und außerschulische Bildungs­arbeit.

Kontakt: FSF e.V., Camilla Graubner, Tel. 030 23 08 36 -60, E-Mail: graubnerc@fsf.de

Über die FSM

Die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM) ist eine anerkannte Selbstkontrollein­richtung für den Bereich Telemedien. Der Verein engagiert sich maßgeblich für den Jugendmedienschutz –insbesondere die Bekämpfung illegaler, jugendgefährdender und entwicklungsbeeinträchtigender Inhalte in Onlinemedien. Dazu betreibt die FSM eine Beschwerdestelle, an die sich jedermann kostenlos wenden kann,um jugendgefährdende Onlineinhalte zu melden. Die umfangreiche Aufklärungsarbeit und Medienkompetenz­förderung von Kindern gehören zu den weiteren Aufgaben der FSM.