Positive Content und Kindersuchmaschinen

Stand: 
April 2014
I. Worum geht es?

Im Jugendmedienschutz sind technische Schutzmaßnahmen wie Jugendschutzprogramme ebenso von Bedeutung wie die Notwendigkeit, Kindern die aktive und prozessorientierte Auseinandersetzung mit dem Medium Internet zu ermöglichen. Um Kindern einen altersgerechten Zugang zum Internet zu bieten und sie an den vielfältigen Möglichkeiten des Mediums zu beteiligen, bieten vor allem sog. Kindersuchmaschinen einen sicheren Einstieg zu kindgerechten Inhalten im Internet. Besonders berücksichtigt werden dabei speziell für die Zielgruppe der unter Zwölfjährigen entwickelte und zumeist gemeinnützig orientierte Webangebote. Durch eine breite Vernetzung, Förderstrukturen sowie generelle Kriterien zur Qualität solcher Websites konnte eine vielfältige und qualitativ hochwertige Kinderseitenlandschaft in Deutschland aufgebaut werden.

II. Was bedeutet das für die Praxis?

Kindersuchmaschinen als Startrampe ins Netz – ein Katalog positiver Inhalte

Durch eine medienpädagogische Prüfung auf der Grundlage stetig aktualisierter Kriterienkataloge können solche Webangebote, die speziell für Kinder erstellt bzw. die für sie geeignet sind, gesammelt und in einem Katalog aufgenommen werden. Diese Liste positiver Angebote, der sog. Whitelist, bietet eine gute Grundlage für den Einstieg von Kindern in das Internet. Mit der Kindersuchmaschine fragFINN.de können Kinder bspw. auf der Grundlage von mehr als 11.000 Domains durch Suchanfragen sowie durch redaktionelle Empfehlungen Webangebote finden, die ihren jeweiligen Interessen entsprechen. So kann sichergestellt werden, dass negative Reize und Überforderung durch Inhalte nahezu ausgeschlossen werden. Auch die Kindersuchmaschinen blinde-kuh.de und helles-koepfchen.de nutzen einen Katalog von geprüften Internetseiten.

Kriterien für Kinderinternetseiten

Wann ein Internetangebot für Kinder geeignet ist, bestimmt ein Kriterienkatalog, der sowohl inhaltliche als auch formale Aspekte berücksichtigt. Der Kriterienkatalog der Kindersuchmaschine fragFINN enthält z.B. spezielle Anforderungen zum Inhalt, der redaktionellen Pflege, zu Werbung, kommunikativen Aspekten, Regelungen zu Bezahlangeboten  oder Shops, Downloads, Spielen und nutzergenerierten Inhalten. Auf formaler Ebene müssen Impressumspflicht und spezielle Datenschutzaspekte berücksichtigt werden. Den gesamten fragFINN-Kriterienkatalog finden Sie hier. Um die Aktualität sowie ein kontinuierlich hohes Maß an Sicherheit zu gewährleisten, werden die geprüften und in die Whitelist aufgenommenen Webangebote regelmäßig erneut geprüft.

Positive Content und technischer Jugendmedienschutz

Die Whitelist von fragFINN.de dient nicht nur als Grundlage für die gleichnamige Kindersuchmaschine, sondern ist ebenfalls Bestandteil technischer Jugendmedienschutzlösungen. So beinhalten die von der KJM anerkannten Jugendschutzprogramme die fragFINN-Whitelist und ermöglichen in der Altersstufe „bis 12“ eine breite Auswahl an ungefährlichen Internetangeboten. Auch der Kinderserver beinhaltet die Whitelist. So bietet sich eine gewinnbringende Verbindung aus technischen wie medienpädagogischen Ansätzen im Jugendmedienschutz [siehe auch „Medienbildung und Jugendmedienschutz“]. Zusätzlich fließen die Inhalte des Katalogs von fragFINN in das europäische Expertennetzwerk rund um das Thema Positive Content – POSCON ein. Ziel des Netzwerkes ist es konkrete Guidelines für Seitenbetreiber, einen Überblick über bestehende europäische Kinderonlineangebote sowie Empfehlungen zur Finanzierung und Verbreitung zu diskutieren und zu entwickeln. Gleichzeitig dient der fragFINN-Katalog als gute Grundlage für die Erstellung und Gestaltung von Internetseiten für Kinder. Unter dem Stichwort „Safety by Design“ können so von Anfang an Aspekte des Jugendmedienschutz berücksichtigt werden.

Die Kinderseitenlandschaft in Deutschland

Durch staatliche als auch unternehmerische Förderung konnte sich in den letzten Jahren eine sehr ausdifferenzierte Kinderseitenlandschaft in Deutschland entwickeln. Die Vielfalt der Angebote geht dabei sowohl auf die Nutzungsgewohnheiten als auch auf die Interessen von Kindern ein. Gleichzeitig vermitteln solche Angebote zielgruppengerecht aufbereitete Informationen zu jugendmedienschutzrelevanten und medienpädagogischen Themen. Damit tragen sie zur Auseinandersetzung mit Medien und ihren Formaten bei und dienen als Vorbereitung für die Nutzung von altersunabhängigen Angeboten wie z.B. Sozialen Netzwerken, Suchmaschinen oder Nachrichtenportalen. Gerade solche vorbereitenden Angebote benötigen Unterstützung, da sie zumeist nicht gewinn-, sondern gemeinwohlorientiert arbeiten und auf eine kontinuierliche Förderung angewiesen sind. Durch die Förderinitiative „Ein Netz für Kinder“ konnte eine Instanz geschaffen werden, die Seitenbetreiber bei der Erstellung und Veröffentlichung ihrer Angebote unterstützt. Ein Instrument der kontinuierlichen Förderung ist jedoch noch nicht etabliert. Gerade die Pflege, Anpassung und Redaktion von Kinderseiten ist aber aufwendig und kostenintensiv.

Der stetige Austausch zu Kriterien, aktuellen Herausforderungen und kindlichen Nutzungsgewohnheiten findet u.a. in Vereinen wie Seitenstark oder der GMK - Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur statt.

Zielgruppengerechte Angebote auch für Übergangsphasen schaffen

Eine besondere Herausforderung bilden Kinder, die sich in der Übergangsphase zum Jugendalter befinden. Oftmals empfinden diese Angebote des Positive Content als zu kindisch und ihren Bedürfnissen nicht angemessen und nutzen deshalb eher Angebote, die für Erwachsene konzipiert sind. Hier gilt es gerade auf Anbieterseite diese Zielgruppe zu berücksichtigen und geeignete Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen zu treffen z.B. durch Meldevorrichtungen, eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten etc. Nicht zuletzt gilt es spezifische und weniger kindliche Angebote zu schaffen, die für „junge Jugendliche“ attraktiv sind.