Jugendschutzprogramme

Stand: 
September 2012
I. Worum geht es?

Über richtige und falsche Wege in der Medienerziehung wurde schon immer leidenschaftlich gestritten, und zwar nicht erst seit es Computer und das Internet gibt. Dass Kinder und Jugendliche durch eine gemeinsame Mediennutzung mit Eltern und anderen Erziehenden am besten auf einen aufgeklärten und selbstbestimmten Umgang mit Medien vorbereitet werden, gilt jedoch seit Generationen als Konsens. Viele Eltern lassen ihr Kind allerdings recht bald zumindest zeitweise allein und unbeaufsichtigt im Internet surfen. Gemeinsam wird dann oft festgelegt, was das Kind im Internet tun und welche Websites es besuchen darf. Um diese Absprachen abzusichern und zusätzlich zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche mit Absicht oder zufällig mit für sie ungeeigneten Inhalten konfrontiert werden, können Eltern ein Jugendschutzprogramm installieren.

II. Was bedeutet das für die Praxis?

Was ist ein Jugendschutzprogramm?

Jugendschutzprogramme sind Hilfsmittel, die es Eltern lokal, also auf einem bestimmten PC oder innerhalb des Heimnetzwerkes, ermöglichen zu steuern, welche Internetinhalte ihre Kinder sehen dürfen. Es handelt sich um sogenannte nutzerautonome Filterprogramme, die zwar in der Regel mit umfangreichen Voreinstellungen zur Verfügung stehen, jedoch individuell für den jeweiligen Einsatz angepasst werden können. Eltern ist es auf diese Weise z.B. möglich, ihren Kindern lediglich von Experten geprüfte, kindgeeignete Seiten zur Verfügung zu stellen. Oft gibt es eine Funktion, mit der das Kind sich eine bestimmte Seite, die zunächst gesperrt ist, von seinen Eltern wünschen kann: Diese Seite können die Eltern dann individuell freischalten. Oft spielt das für Nachrichtenportale oder die Wikipedia eine Rolle, die von vielen Jugendschutzprogrammen nicht für Kinder freigegeben werden.

Jugendschutzprogramme und Jugendschutzfilter – was ist der Unterschied?

In vielen Haushalten sind auf den PCs Virenschutzprogramme installiert. Oft haben sich die Eltern dabei für Programmpakete entschieden, die zum Beispiel „Security Suite“ heißen. In diesen Paketen ist neben Virenschutz und anderen Sicherheitsprogrammen häufig zusätzlich ein  Jugendschutzfilter enthalten. Auch viele  Versionen von  Windows und  MacOS werden mit einer Jugendschutzfunktion ausgeliefert. Dazu gibt es eine Fülle von kostenfreien und kostenpflichtigen Programmen, die den Jugendschutz beim Surfen im Internet verbessern können, die Nutzung bestimmter Anwendungen verhindern oder ein Zeitkontingent vorgeben. Viele dieser Programme und Pakete funktionieren recht gut, oft handelt es sich jedoch um international angebotene Software, die häufig nur wenig auf die Bedürfnisse in Deutschland bzw. die hiesigen Jugendschutzgesetze und unsere Vorstellungen von unzulässigen Inhalten abgestimmt ist.

Von Jugendschutzfiltern oder -software im Allgemeinen unterscheiden sich Jugendschutzprogramme, die in § 11 des Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) vorgesehen sind und die einer staatlichen Anerkennung durch die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) bedürfen. Die gesetzlichen Anforderungen an Jugendschutzprogramme sind vage, auch die Konkretisierung in den Jugendschutz-Richtlinien der Landesmedienanstalten hilft nicht wirklich weiter. Deshalb hat die KJM Kriterien für die Anerkennung von Jugendschutzprogrammen veröffentlicht. Auf deren Grundlage ist es Herstellern von Filterprogrammen nun möglich, die Entwicklung ihrer Produkte an den Erwartungen der Aufsichtsbehörde auszurichten.

Wie arbeiten Jugendschutzprogramme?

Ein Jugendschutzprogramm besteht grundsätzlich aus mehreren Komponenten:

  • Blacklist (Liste generell unzulässiger Websites, z.B. BPjM-Modul)
  • Whitelist (Liste generell unproblematischer bzw. kindgeeigneter Websites, z.B. fragFINN)
  • Liste altersdifferenzierter Inhalte (zulässig je nach Einstellung der Altersstufe in der Software)
  • Fähigkeit, technische Alterskennzeichen auszulesen, die dem gemeinsamen Standard „age-de.xml“ entsprechen

Hinzu kommt in der Regel die Möglichkeit für Eltern, Websites individuell freizugeben  oder zu sperren.

Wie gut funktionieren Jugendschutzfilter? Die KJM fordert, dass Websites, die für alle Kinder und Jugendlichen ungeeignet sind, mit einer Genauigkeit von 80 Prozent richtig bewertet werden müssen. Dieser Wert wird nach den Erfahrungen der FSM noch deutlich übertroffen, wenn das Programm für die Nutzung durch Kinder (unter 12 Jahren) eingerichtet worden ist. Generell sind die Programme bei der Bewertung von Erotik-Inhalten teils deutlich besser als bei anderen Jugendschutz-relevanten Themen.

Im Rahmen des EU-Projekts SIP-BENCH werden Jugendschutzfilter ohne Berücksichtigung nationaler Eigenheiten geprüft. Getestet werden auch Programme für mobile Endgeräte sowie die Jugendschutzfunktionalität von Spielkonsolen. Die Ergebnisse werden regelmäßig unter www.sipbench.eu veröffentlicht.

Welche Jugendschutzprogramme sind anerkannt?

Im Rahmen von „sicher online gehen“, einer Initiative von Bund, Ländern und der Wirtschaft, informiert das Bundesfamilienministerium gemeinsam mit seinen Partnern jeweils aktuell über anerkannte Programme und die jeweiligen Bezugsquellen.